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  Die Story eines Motorad-Clubs, den jeder kennt und von dem niemand was weiß.  
     
  Von H. Philipp Waldeck  
     
   
     
  Hernals, Beisl "Grünes Tor", 20 Uhr. Es ist Freitag, und wie jeden Freitag ein Tag der Herren.  
  Im Riesenkeller tagt der Wiener Triumphclub. Der Saal ist zum Brechen voll. Von den 275  
  Mitgliedern des Clubs ist gut die Hälfte anwesend. Sie sind durch die Bank schwarzgekleidet,  
  jeder trägt das Wahrzeichen auf der Brust, den silbernen stilisierten Triumphvogel. Wer sein  
  Abzeichen vergessen hat, muss sofort ein neues kaufen und wird beschimpft. Die  
  Beschimpfungen sind von der normalen Begrüßung kaum zu unterscheiden: Wenn zwei  
  Triumph-Club-Mitglieder einander begegnen, begrüßen sie sich so, daß du dich mit jeder  
  Zeile rasieren kannst.  
     
  An diesem Abend sind sie zahlreich vertreten – es ist die erste Sitzung nach einer Sommerpause  
  – und sie sind gut in Fahrt. Die schweren Motorräder haben sie vor dem Wirtshaus aufgebockt.  
  Dort, wo der Helm auflag, den sie jetzt mit hineingelegten Handschuhen tragen, sind die Haare  
  niedergedrückt und leicht verschwitzt, im Genick sind sie von Fahrtwind verfilzt. Wer früher kommt,  
  sitzt näher am Tisch des Vorstandes. Die Letzten sind im Eck, haben nachher ein scharfkantiges  
  Kreuz wie das Rahmenprofil einer Vorkriegsarie.  
     
  Um 20:15 bittet Vorstandsmitglied Hans Bahmer, der spiritus rector des Clubs, um Ruhe.  
   Er erledigt dies angenehm knapp: „Hoits de Goschn, Trottln!“ Die Formulierung wird  
  wohlwollend aufgenommen, es wird schlagartig still. Nur einer zeigt sich unbeeindruckt.  
   Er bestellt gerade beim Ober, der Perser ist. Die beiden diskutieren eine Auswahl bekömmlicher  
  Kleinspeisen. Bis auf die beiden ist alles ruhig. Einem Clubmitglied reißen schließlich die Nerven:  
  „Bestöhst a Dinner, oder wos? Oda wüst den Foabign pudern, daun geh auffi mit eam  
  überd Stiagn.“ Das Gelächter ist monströs und muss etwa so geklungen haben wie beim roten  
  Olaf mit seinen Wikingern. Nachher ist es Grabesstille bei den Riesentischen, auf denen zwei  
  große Braune stehen, zwei Krügerln und ca zweitausend Obi gespritzt.  Obi gespritzt = Triumph Club.  
  Alkoholfreie Getränke – die Vernichtung eines von vielen Vorurteilen, mit denen dieser Triumph – Club  
  seit der Gründung im Jahr 1953 fertig werden muss.  
     
 

 
     
  Weil er so einfach zu verstehen ist, ist er so oft missverstanden worden: Seine Philosophie kennt  
  nur eine Sonne, das Motorrad. Und nur drei Planeten: Mit der Maschine sportlich erfolgreich zu sein.  
  Das Motorrad richtig zu küssen. Und so viel Freude als möglich heraus zu holen, aus diesem Leben,  
  dass für ein zukünftiges Triumph – Club – Mitglied mit 16 Jahren beginnt und mit ungefähr 85 endet,  
  wenn die Arthritis zum letzten Absteigen zwingt. In den 70 Jahren dazwischen, weiß der echte  
  Triumph – Club – Fan, was er zu tun hat: Die Maschine zu betreuen, bis sie einer neueren,  
  schnelleren weicht. Und allen Nebensächlichkeiten dieser Welt, wie Frauen Beruf Ehe, den  
  gebührenden Randsitz zuzuweisen. In diesen 70 Jahren werden die schönsten Momente mit  
  Kerben markiert. Und in den Kerben stehen die Namen der Gegner, die man bei Straßenrennen  
  oder im Gelände besiegt hat. Nicht alle sind erfolgreich, „aber ein jeder in unserem Club“  
  erzählt Hans Bahmer, „muss es einmal probieren“.  
     
  Viele, die in diese Welt der Mini – Hemingways einfallen, haben ursprünglich nur einen Wunsch gehabt:  
  Ein Rennen zu fahren und Vorletzter zu werden. Um in diesem Kreis, der aus allen Poren das Wort  
  „Mann“ ausschwitzt, einen anderen Mann zu besiegen. Und um nachher ein paar lässige Worte los  
  zu werden: „Du fährst die normalen Vergaser auf deiner Kawa 900. Ich bin drauf gekommen,  
  dass die Vergaser der Giulia Super drauf passen. Solange ich mit den dell´Ortos fahr und  
  du nicht, hast du keine Chance“. Die Rollenverteilung beim Triumphclub ist so klar wie bei der  
  Löwingerbühne. Präsident ist Kommerzialrat Robert Wöhrer von der Firma Teha (Wöhrer und Co),  
  ein erfolgreicher Kaufmann und Sponsor des Clubs. Obmann ist Hans Bahmer.  
     
 

 
     
  Er gilt als Kopf des Clubs und ist in der Öffentlichkeit am stärksten verankert. Seine Haare sind  
  extrem kurz geschoren und harmonieren mit seiner Führungsphilosophie: „Natürlich geht´s bei  
  uns autoritär zu: Wer Demokratie will, hat bei uns nichts zu suchen. Einen Motorradclub  
  kannst du nicht anders führen“. Vor Jahren mehrte er beträchtlich den Ruhm des Clubs.  
  Damals war er Vertragsfahrer der englischen Triumph Werke. In Coventry schneiderten sie ihm  
  Maschinen zurecht. Fußrasten, Sitze, Lenker und Bedieninstrumente wurden seinen Körper  
  maßgeschneidert. In Zandvoort beispielsweise siegte er zweimal beim Sechsstundenrennen,  
  1964 und 1965. Seither hat Bahmer etwas an Gewicht zugelegt. Den Club hat er ausgezeichnet  
  im Griff. Seinen Spitznamen „Schwanz“ trägt er, als wär´s ein Stück von ihm. Und zwischen seinen  
  Plänen für die Zukunft des Club schieben sich nostalgische Erinnerungen an Tage, als die Siegerlisten  
  monoton dominiert wurden – mit Namen wie Dastl, Reikl, Bergold, Auer, Mach, Wernegger, Holper,  
  Salamon, Brunner, Hat, Frank, Knihar, Böhm, Fischer.  
     
 

 
     
  Neben dem Präsidenten und Bahmer gibt es die Masse von 275 Mitgliedern, die nur zwei  
  Möglichkeiten habe, sich hervor zu tun. Durch sportliche Siege oder wertvolle Leistungen  
  im Schmäh führen. Recht gute Benotungen beispielsweise erhielt die Begrüßung eines  
  Clubmitgliedes, dass zu spät kam und unschlüssig zwischen vollbesetzten Sesseln herum  
  irrte: „Setz di nieda oda kaunst da kann Plotz vaschoffn? Seitdem der BWM foahrt,  
  wird er imma waacha“. Interessante Sprache, Triumphclub.  
     
  Bahmer glaubt: „Es ist halt eine rauhe Sprache, wie überall dort, wo Männer zusammen  
  kommen“. Das ist bedingt richtig. Natürlich wird in der Milchbar des Parlaments selbst zwischen  
  Gewerkschaftsboss Benya und dem gelernten Floridsdorfer Androsch um ein Haucherl feiner  
  gesprochen. Doch in den Stammkneipen schwerarbeitender Männer – wie in den Spelunken  
  rund um die VÖEST in Linz – gleicht die Sprache der des Triumph Clubs. Auch das Militär  
  bietet einige Parallelen – mit einem Unterschied: Bei den Soldaten schwebt der Geist  
  normalerweise schwerelos zwischen Wirtshaus, Jerry Cotton und Zapfenstreich. Beim  
  Triumphclub ist das schon deswegen nicht möglich, weil der konkrete Gesprächsgegenstand  
  Motorrad einfach Hirn erfordert und überdies vom Maurerlehrling bis zum Arzt jeder Beruf in der  
  Mitgliederliste vertreten ist.  
     
 

 
     
  „Wenn einer glaubt, was besseres zu sein“ meint ein Clubmitglied zum Problem Arzt – Maurer,  
  „Dann kriegt er eine aufs Aug. Aber das ist bis heute sowieso noch nie passiert“. Außer  
  der gottähnlich geführten Clubhierarchie mit den Vorständen gibt es nur mehr das natürliche Primat  
  des Siegers über den Besiegten. Sonst sind alle gleich. Die Gleichhaltung der Mitglieder beginnt  
  schon beim ersten Gespräch mit einem Neuankömmling. Bahmer: „Wenn einer Mitglied werden  
  will, schau ich ihn mir genau an. Wenn i den Eindruck hab, der will wirklich was tun und  
  er hat net grad zwei Ketten uman Hals und an Totenkopf am Handgelenk, dann nimm i eam.  
  Und dann erwart ich, daß er sich zumindest so benimmt wie ich. Wenn i mitn Mascherl auf  
  dem Weg zur Oper bin und einer steht mit der Maschin hilflos am Straßenrand, nimm i des  
  Mascherl owa und stell eam die Zündung ein“.  
     
  Die Gleichschaltung mündet auch in eine fast bedrohlich wirkende Uniformität der Kleidung.  
  Gefahren wird in schwarzem Overall und bei Rennen auch mit schwarzen Helmen – ausgenommen  
  die Teilnehmer des Nationalteams, die in den rotweißen Töpfen fahren dürfen. Credo: „Wenn einer  
  ein gelbes Gewand, eine gelbe Hose und einen gelben Helm tragen will, soll er zu einem  
  gelben Klub gehen“. Die gelben Clubs – das ist ein Synonym für alle anderen Motorradvereine,  
  von denen sich jedes Triumph – Club – Mitglied angewidert distanziert – aus fünf guten Gründen.  
     
  Weil ausschließlich der Triumph - Club wirklich etwas für den einheimischen Rennsport tat:  
  Neben der Organisation international beschickter Rennen, neben Straßen - und Geländekursen,  
  war er beispielsweise auch Hebamme des österreichischen Trial. Seit 1959 gibt es den  
  Castrol-Trial-Cup, allerdings keine klubinterne Meisterschaft, denn bei "dieser riesigen  
  Mitgliederanzahl könnten wir eigentlich jetzt schon unseren Beruf aufgeben", jammert  
  der hauptberuflich bei der Gemeindefirma Gewista angestellte Bahmer.  
     
 

 
     
  Weil jeder andere Klub bereits vermessen wäre, würde er auch nur träumen, annähernd so viele  
  engagierte Mitglieder zu kriegen. 50 Mann gelten normalerweise bereits als Glücksfall. Weil  
  man bei jedem anderen Klub lange suchen muss, bis man einen findet, der einen kennt, der  
  mit einem verwandt ist, der einmal ein richtiges Rennen gewann. Die Liste der Staatsmeister  
  und der Gruppensieger mit dem silbernen Triumphvogel hingegen ist so lang, dass sie fast  
  schon wieder fad ist. Die Stellung des Triumph Clubs charakterisiert am besten ein Ausspruch,  
   der von einem angejahrten Mitglied eines Floridsdorfer Motorradklubs überliefert ist:  
  "Bin i deppat und geh zum Triumph-Club? Die foan ma um die Nosn und lochn deppat.  
  I bleib bei mein Klub, do muaß i mi net anstrengen und a Hetz gibt´s a".  
     
  Weil die Organisation anderer Klubs, wenn sie sich schon einmal zu einer Sportveranstaltung  
  aufraffen, mies bis morbid ist: "Die machen was" erinnert sich Bahmer, "auf einer schnellen  
  Strecke und hom dann net amoi an Schlauch mit, um des Bluat und die Darm  
  wegzuspritzen". Resumee des ClubConferenciers Bahmer über andere Clubs: "Unser  
  Image darf nie zurückgehen zu einer Hallodripartie, die von Cafe zu Cafe fährt.  
  Solltets ihr einmal so weit kommen, dann seids so gut, und gründets einen  
  Fußballverein für Warme".  
     
 

 
     
  Homos wären eine interessante Attraktion in diesem Verein, der sich urig männlich präsentiert  
  und in dem das Wort Emanzipation mit einem wölfischen Grinsen zerbissen wird. Wenn man  
  den Club - Reden glauben darf, dann funktioniert ihr Verhältnis zu Frauen so: Es wird nicht  
  direkt abgeleugnet, dass es diese Dinger gibt. Aber halt sehr weit hinter dem Motorrad.  
  Hin und wieder freilich fallen einige Schwächlinge aus der Rolle: "I hob scho a poa erlebt",  
  so ein Zitat aus einer Tafelrunde, "die worn zerscht klasse Hawara. Gfoan wia da Teifl.  
  Und da Kotz ane aufd Goschn, wauns deppat wor. Dann homs gheirat und diese  
  Weh san plötzlich schmähstad wurn."  
     
 

In solchen Momenten, wo man den bürgerlich gewordenen Kollegen nachtrauert,

 
  kann es vorkommen, dass selbst ein Obitrinker vom Triumphclub zu einem Bier greift,  
  oder zu fünfzehn. Unterschwellig sind die Frauen ein Problem für´s Clubleben. Bei den  
  Freitagsitzungen herrscht strengstes Weiberverbot.  
     
  Wehmütig denken manche an alte Zeiten: "Damals war der Triumph - Club das  
  Hollywood von Wien". Andere glauben, dass das - abgesehen eben von den  
  Freitagssitzungen - auch heute noch stimmt. "Es gibt nur zwei Arten von Frauen.  
  Solche, die Motorräder mögen, und solche, die sie nicht mögen. Dazwischen  
  gibt es nichts. Und wir sind der felsenfesten Überzeugung - wir sind ja nicht blind  
  - dass die Motorradanhängerinnen bei weitem die Schöneren sind".  
     
 

 
     
  Manchmal freilich werden gnadenhalber auch Grammeln genommen - so etwa am Vorabend eines  
  Großraminger Rennens: Damals zogen sich vier angeheiratete Bräute, die vom schummrigen Licht  
   profitierten, am Wirtshaustisch aus und wurden halbwegs brüderlich verteilt. Und bei internationalen  
  Rennen gilt selbst unter Profis das Motto: "Die Nächte davor wurde horizontal trainiert.  
  Entweder es kann einer fahren oder nicht. Wenn er es kann, dann kann er es auch,  
  wenn er gerade von einer Dame stieg".  
     
  Während sich viele Triumphmitglieder gegen den Ruf eines Weiberhelden nur schwächlich  
  wehren würden, werden sie rabiat, wenn einer die Vermutung äußert, sie wären rauhe Rocker.  
  Wobei eine derartige Meinung durchaus denkbar ist. Denn vor langer Zeit, bevor der Club auf  
  eine seriöse sportliche Linie einschwenkte, kam es häufig zu rührenden Szenen. Damals,  
  als die Reichsbrücke noch stand, flitzten sie rudelweise drüber, nackt und im Stehen.  
     
 

 
     
  Eine andere Kreativgruppe betrat beispielsweise die "Moccastub´n" am Wiener Gürtel auf zwei  
  Rädern. Die Fahrt ging bis zur Bartheke, in deren Spiegel sich die Fahrer gedankenverloren  
  kämmten, ehe sie wortlos wendeten. Einige der dortigen Angestellten laborieren noch heute  
  an dem Schock. Immer noch gilt Lokalverbot für den Triumph - Club.  
     
  Dass diese Zeiten vorbei sind, dafür gibt es einen unheimlich starken Beweis. Namhafte  
  Polizeiorgane sind Ehrenmitglieder des Clubs. Und wenn die Kradfahrer der He einen  
  Ausflug machen, laden sie gelegentlich die Triumphfahrer ein. Sonst niemanden. Der  
  heutige prächtige Status des Clubs wird überschattet durch eine deprimierende Diskussion.  
  Der fast schon historische Name "Triumph Club" wäre beinahe gekillt worden.  
  Als Opfer einer Kettenreaktion.  
     
 

Obwohl die Arbeiter der englischen Triumphwerke verzweifelt versuchen, die Produktion

 
  in Eigenregie vor dem Exitus zu retten, gilt die Marke als tot. Die ehemalige  
  Muss-Bestimmung des Clubs, "zumindest die nächste Maschine jedes Mitglieds  
  muss eine Triumph sein", ist längst abgeschafft. Bahmer: "Entweder wir lösen den  
   Club auf vor lauter Treue zu den Scheiß - Engländern, nur weil´s z´deppat san,  
   Motorradln zu bauen, oder wir nehmen die Geräte, mit denen wir gewinnen können".  
     
 

 
     
  Solche Geräte hätte beispielsweise Präsident Wöhrer, dessen Firma Teas mit der  
  Triumph - Generalvertretung nicht mehr glücklich ist und als Generalimporteur Suzukis  
  vor allem diese Marke fördern will. Dieser Trend fällt gerade in eine Zeit, da der Hauptsponsor  
  Tesa ( neben Bosch und Castrol) eine besonders wichtige Rolle spielt. Denn "Wir sitzen",  
  so Bahmer, "finanziell zum ersten Mal auf dem Arsch. Das Zeltweg war ein Hurenrennen,  
  das hat uns einegriss´n. Wir haben Stars wie den Länsivuori eingeladen, aber die  
  Österreicher begreifen sowas nicht. Diese Arschlöcher, die Motorradl fahren und  
  zdeppat san zum Antreten. Schauen sich net das Superrennen an, des ma für sie  
  macht. I bin sicher, a poa so Dodln hobn sie ihr Oide gschnappt und san mit ihr bodn gangen".  
     
 

 
     
  Endeffekt: Weil gerade jetzt Sponsorgeld wichtig ist, stand der Name Suzuki - Club  
  zur Diskussion. Als dieser Vorschlag bei einer Freitagssitzung vor einem Monat im  
  Raum hing, quollen die Mitglieder zu einer schwarzfarbenen Masse, die drohende  
  Laute von sich gab. Zwei wichtige Einwände, der Name Triumph habe eine  
  Doppelbedeutung und es fahre keineswegs jeder mit einer Suzuki, brachte die  
  Entscheidung. Der Triumph - Club bleibt der Triumph - Club, mit einigen grafischen  
  Retuschen im Emblem. Seufzte Bahmer befriedigt:  
  "Es ist doch noch ein Geist in diesem Scheißhaufen".  
     
  Auch Präsident Wöhrer, der für seine Firma künftig auf jedem Club - Overall einen Extra  
  - Aufnäher bekommt, dürfte zufrieden sein. Er wäre sicher ungern der Totengräber der  
  Triumph Legende geworden. Der Sinn für Tradition, den die Mitglieder bei dieser Situation  
  bewiesen, ist eine Haltung, die man fast als eine der Facetten ihrer Geistesart von  
  Vorstadt-Adel bezeichnen könnte. Dazu zählt auch die unbedingte Loyalität zu einer  
  bestimmten begrenzten Kaste, eben den anderen Clubmitgliedern. Ausschließlich  
  deshalb kommt es auch heute noch zu gelegentlichen Kämpfen, wenn etwa ein  
  Clubfreund in einem Cafe beleidigt wird, weil er den Helm auf den Tisch legt.  
  Dann zahlt es sich aus. Die Burschen sind im Durchschnitt massiv gebaut und  
  haben relativ wenig Angst. Gegen das unfreiwillige Absteigen bei 180km/h ist ein  
  Uppercut nur ein Schmunzeln wert. "Außerdem san die meisten von uns",  
  doziert einer, "ziemlich ausgerastet und stehen voll im Saft".  
     
  So wie früher die englischen Gentlemen bei Turnieren in Bath selbst boxten,  
  während man heute boxen lässt, nehmen die Triumph-Club-Leute jedes Opfer  
  persönlich auf sich. Vorteile lassen sie auch anderen zukommen, wenn sie sich  
  zum Beispiel als sportliche Organisationshilfe ohne Bezahlung gemeinnützig betätigen.  
  Nachteile tragen sie allein, finanziell und gesundheitlich.m Finanziell: Clubmitglied  
  Franz Hierss, 28, ein hinreißender Erzähler und ausgezeichneter Fahrer, gab schon  
  am Anfang an, "als ich 6000 Schilling verdiente", rund 40 Prozent für das Motorrad  
  aus. Heute sind es immer noch mindestens 1500 Schilling im Monat. "Komisch,  
  wenn mans braucht, dann hat mans, für´s Motorrad immer".  
     
 

 
     
  Gesundheitlich: Clubmitglied Volkmar Haberzettel, 35, einer der besten Geländefahrer  
  Österreichs, der von seinem 8000 Schilling Verdienst 2000 in sein Hobby steckt,  
  verzeichnete bisher Absplitterungen, Schwierigkeiten mit dem Knie, Gelenksschmerzen,  
  Prellungen, Zerrungen und eine Schulterluxation. Momentan trägt er ein Mieder. Die  
   rechte Hand ist an den Körper geschnallt. "Vor allem am Anfang", erinnert sich  
  Haberzettel, "als ich im Gelände zum trainieren anfing, bin ich mehr auf der  
  Goschn gelegen als oben gesessen. Ich bin zehn bis zwanzig mal abgestiegen".  
     
  Wörtlicher Dialog aus einer Freitagssitzung: "Wos is mit dein Knöchl?" "I hob seit  
  vierzehn Tog de Schraubn draussen, aber der Köchl is steif bliebn". "Aha,  
  nau wos jetzt? Muaß a no amoi brochn wern?" "Na, nur Elektroschocks".  
  "Manchmal", siniert Haberzettel, "fragt man sich ernsthaft, warum man nicht  
  Schachspieler geworden ist". Eine Antwort darauf weiß Josef Kvasnicka, 22,  
  mit seiner Kawa 900, eine der großen Nachwuchs- hoffnungen des Clubs:  
  "Weil die Rennen die einzige Gelegenheit sind, wo man noch Gas geben kann.  
  Und die Renntage, die vergeß ich sicher nie".  
     
  Triumph - Club: Raritätenkabinett der Unvergesslichkeiten. Da spielt es keine Rolle,  
  wenn in der Clubzeitschrift plötzlich ein Kreuz über einem Foto steht. Mitglieder  
  aus der anderen Bevölkerung kriegen sie nicht, erwarten sie nicht, und wollen sie nicht.  
  Denn sie wissen, was sie tun.