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| Was ist ein Sprintrennen? | Eine Art von Adel | Zeitungsartikel 1976 |
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| Die Story eines Motorad-Clubs, den jeder kennt und von dem niemand was weiß. | ||
| Von H. Philipp Waldeck | ||
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| Hernals, Beisl "Grünes Tor", 20 Uhr. Es ist Freitag, und wie jeden Freitag ein Tag der Herren. | ||
| Im Riesenkeller tagt der Wiener Triumphclub. Der Saal ist zum Brechen voll. Von den 275 | ||
| Mitgliedern des Clubs ist gut die Hälfte anwesend. Sie sind durch die Bank schwarzgekleidet, | ||
| jeder trägt das Wahrzeichen auf der Brust, den silbernen stilisierten Triumphvogel. Wer sein | ||
| Abzeichen vergessen hat, muss sofort ein neues kaufen und wird beschimpft. Die | ||
| Beschimpfungen sind von der normalen Begrüßung kaum zu unterscheiden: Wenn zwei | ||
| Triumph-Club-Mitglieder einander begegnen, begrüßen sie sich so, daß du dich mit jeder | ||
| Zeile rasieren kannst. | ||
| An diesem Abend sind sie zahlreich vertreten – es ist die erste Sitzung nach einer Sommerpause | ||
| – und sie sind gut in Fahrt. Die schweren Motorräder haben sie vor dem Wirtshaus aufgebockt. | ||
| Dort, wo der Helm auflag, den sie jetzt mit hineingelegten Handschuhen tragen, sind die Haare | ||
| niedergedrückt und leicht verschwitzt, im Genick sind sie von Fahrtwind verfilzt. Wer früher kommt, | ||
| sitzt näher am Tisch des Vorstandes. Die Letzten sind im Eck, haben nachher ein scharfkantiges | ||
| Kreuz wie das Rahmenprofil einer Vorkriegsarie. | ||
| Um 20:15 bittet Vorstandsmitglied Hans Bahmer, der spiritus rector des Clubs, um Ruhe. | ||
| Er erledigt dies angenehm knapp: „Hoits de Goschn, Trottln!“ Die Formulierung wird | ||
| wohlwollend aufgenommen, es wird schlagartig still. Nur einer zeigt sich unbeeindruckt. | ||
| Er bestellt gerade beim Ober, der Perser ist. Die beiden diskutieren eine Auswahl bekömmlicher | ||
| Kleinspeisen. Bis auf die beiden ist alles ruhig. Einem Clubmitglied reißen schließlich die Nerven: | ||
| „Bestöhst a Dinner, oder wos? Oda wüst den Foabign pudern, daun geh auffi mit eam | ||
| überd Stiagn.“ Das Gelächter ist monströs und muss etwa so geklungen haben wie beim roten | ||
| Olaf mit seinen Wikingern. Nachher ist es Grabesstille bei den Riesentischen, auf denen zwei | ||
| große Braune stehen, zwei Krügerln und ca zweitausend Obi gespritzt. Obi gespritzt = Triumph Club. | ||
| Alkoholfreie Getränke – die Vernichtung eines von vielen Vorurteilen, mit denen dieser Triumph – Club | ||
| seit der Gründung im Jahr 1953 fertig werden muss. | ||
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| Weil er so einfach zu verstehen ist, ist er so oft missverstanden worden: Seine Philosophie kennt | ||
| nur eine Sonne, das Motorrad. Und nur drei Planeten: Mit der Maschine sportlich erfolgreich zu sein. | ||
| Das Motorrad richtig zu küssen. Und so viel Freude als möglich heraus zu holen, aus diesem Leben, | ||
| dass für ein zukünftiges Triumph – Club – Mitglied mit 16 Jahren beginnt und mit ungefähr 85 endet, | ||
| wenn die Arthritis zum letzten Absteigen zwingt. In den 70 Jahren dazwischen, weiß der echte | ||
| Triumph – Club – Fan, was er zu tun hat: Die Maschine zu betreuen, bis sie einer neueren, | ||
| schnelleren weicht. Und allen Nebensächlichkeiten dieser Welt, wie Frauen Beruf Ehe, den | ||
| gebührenden Randsitz zuzuweisen. In diesen 70 Jahren werden die schönsten Momente mit | ||
| Kerben markiert. Und in den Kerben stehen die Namen der Gegner, die man bei Straßenrennen | ||
| oder im Gelände besiegt hat. Nicht alle sind erfolgreich, „aber ein jeder in unserem Club“ | ||
| erzählt Hans Bahmer, „muss es einmal probieren“. | ||
| Viele, die in diese Welt der Mini – Hemingways einfallen, haben ursprünglich nur einen Wunsch gehabt: | ||
| Ein Rennen zu fahren und Vorletzter zu werden. Um in diesem Kreis, der aus allen Poren das Wort | ||
| „Mann“ ausschwitzt, einen anderen Mann zu besiegen. Und um nachher ein paar lässige Worte los | ||
| zu werden: „Du fährst die normalen Vergaser auf deiner Kawa 900. Ich bin drauf gekommen, | ||
| dass die Vergaser der Giulia Super drauf passen. Solange ich mit den dell´Ortos fahr und | ||
| du nicht, hast du keine Chance“. Die Rollenverteilung beim Triumphclub ist so klar wie bei der | ||
| Löwingerbühne. Präsident ist Kommerzialrat Robert Wöhrer von der Firma Teha (Wöhrer und Co), | ||
| ein erfolgreicher Kaufmann und Sponsor des Clubs. Obmann ist Hans Bahmer. | ||
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| Er gilt als Kopf des Clubs und ist in der Öffentlichkeit am stärksten verankert. Seine Haare sind | ||
| extrem kurz geschoren und harmonieren mit seiner Führungsphilosophie: „Natürlich geht´s bei | ||
| uns autoritär zu: Wer Demokratie will, hat bei uns nichts zu suchen. Einen Motorradclub | ||
| kannst du nicht anders führen“. Vor Jahren mehrte er beträchtlich den Ruhm des Clubs. | ||
| Damals war er Vertragsfahrer der englischen Triumph Werke. In Coventry schneiderten sie ihm | ||
| Maschinen zurecht. Fußrasten, Sitze, Lenker und Bedieninstrumente wurden seinen Körper | ||
| maßgeschneidert. In Zandvoort beispielsweise siegte er zweimal beim Sechsstundenrennen, | ||
| 1964 und 1965. Seither hat Bahmer etwas an Gewicht zugelegt. Den Club hat er ausgezeichnet | ||
| im Griff. Seinen Spitznamen „Schwanz“ trägt er, als wär´s ein Stück von ihm. Und zwischen seinen | ||
| Plänen für die Zukunft des Club schieben sich nostalgische Erinnerungen an Tage, als die Siegerlisten | ||
| monoton dominiert wurden – mit Namen wie Dastl, Reikl, Bergold, Auer, Mach, Wernegger, Holper, | ||
| Salamon, Brunner, Hat, Frank, Knihar, Böhm, Fischer. | ||
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| Neben dem Präsidenten und Bahmer gibt es die Masse von 275 Mitgliedern, die nur zwei | ||
| Möglichkeiten habe, sich hervor zu tun. Durch sportliche Siege oder wertvolle Leistungen | ||
| im Schmäh führen. Recht gute Benotungen beispielsweise erhielt die Begrüßung eines | ||
| Clubmitgliedes, dass zu spät kam und unschlüssig zwischen vollbesetzten Sesseln herum | ||
| irrte: „Setz di nieda oda kaunst da kann Plotz vaschoffn? Seitdem der BWM foahrt, | ||
| wird er imma waacha“. Interessante Sprache, Triumphclub. | ||
| Bahmer glaubt: „Es ist halt eine rauhe Sprache, wie überall dort, wo Männer zusammen | ||
| kommen“. Das ist bedingt richtig. Natürlich wird in der Milchbar des Parlaments selbst zwischen | ||
| Gewerkschaftsboss Benya und dem gelernten Floridsdorfer Androsch um ein Haucherl feiner | ||
| gesprochen. Doch in den Stammkneipen schwerarbeitender Männer – wie in den Spelunken | ||
| rund um die VÖEST in Linz – gleicht die Sprache der des Triumph Clubs. Auch das Militär | ||
| bietet einige Parallelen – mit einem Unterschied: Bei den Soldaten schwebt der Geist | ||
| normalerweise schwerelos zwischen Wirtshaus, Jerry Cotton und Zapfenstreich. Beim | ||
| Triumphclub ist das schon deswegen nicht möglich, weil der konkrete Gesprächsgegenstand | ||
| Motorrad einfach Hirn erfordert und überdies vom Maurerlehrling bis zum Arzt jeder Beruf in der | ||
| Mitgliederliste vertreten ist. | ||
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| „Wenn einer glaubt, was besseres zu sein“ meint ein Clubmitglied zum Problem Arzt – Maurer, | ||
| „Dann kriegt er eine aufs Aug. Aber das ist bis heute sowieso noch nie passiert“. Außer | ||
| der gottähnlich geführten Clubhierarchie mit den Vorständen gibt es nur mehr das natürliche Primat | ||
| des Siegers über den Besiegten. Sonst sind alle gleich. Die Gleichhaltung der Mitglieder beginnt | ||
| schon beim ersten Gespräch mit einem Neuankömmling. Bahmer: „Wenn einer Mitglied werden | ||
| will, schau ich ihn mir genau an. Wenn i den Eindruck hab, der will wirklich was tun und | ||
| er hat net grad zwei Ketten uman Hals und an Totenkopf am Handgelenk, dann nimm i eam. | ||
| Und dann erwart ich, daß er sich zumindest so benimmt wie ich. Wenn i mitn Mascherl auf | ||
| dem Weg zur Oper bin und einer steht mit der Maschin hilflos am Straßenrand, nimm i des | ||
| Mascherl owa und stell eam die Zündung ein“. | ||
| Die Gleichschaltung mündet auch in eine fast bedrohlich wirkende Uniformität der Kleidung. | ||
| Gefahren wird in schwarzem Overall und bei Rennen auch mit schwarzen Helmen – ausgenommen | ||
| die Teilnehmer des Nationalteams, die in den rotweißen Töpfen fahren dürfen. Credo: „Wenn einer | ||
| ein gelbes Gewand, eine gelbe Hose und einen gelben Helm tragen will, soll er zu einem | ||
| gelben Klub gehen“. Die gelben Clubs – das ist ein Synonym für alle anderen Motorradvereine, | ||
| von denen sich jedes Triumph – Club – Mitglied angewidert distanziert – aus fünf guten Gründen. | ||
| Weil ausschließlich der Triumph - Club wirklich etwas für den einheimischen Rennsport tat: | ||
| Neben der Organisation international beschickter Rennen, neben Straßen - und Geländekursen, | ||
| war er beispielsweise auch Hebamme des österreichischen Trial. Seit 1959 gibt es den | ||
| Castrol-Trial-Cup, allerdings keine klubinterne Meisterschaft, denn bei "dieser riesigen | ||
| Mitgliederanzahl könnten wir eigentlich jetzt schon unseren Beruf aufgeben", jammert | ||
| der hauptberuflich bei der Gemeindefirma Gewista angestellte Bahmer. | ||
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| Weil jeder andere Klub bereits vermessen wäre, würde er auch nur träumen, annähernd so viele | ||
| engagierte Mitglieder zu kriegen. 50 Mann gelten normalerweise bereits als Glücksfall. Weil | ||
| man bei jedem anderen Klub lange suchen muss, bis man einen findet, der einen kennt, der | ||
| mit einem verwandt ist, der einmal ein richtiges Rennen gewann. Die Liste der Staatsmeister | ||
| und der Gruppensieger mit dem silbernen Triumphvogel hingegen ist so lang, dass sie fast | ||
| schon wieder fad ist. Die Stellung des Triumph Clubs charakterisiert am besten ein Ausspruch, | ||
| der von einem angejahrten Mitglied eines Floridsdorfer Motorradklubs überliefert ist: | ||
| "Bin i deppat und geh zum Triumph-Club? Die foan ma um die Nosn und lochn deppat. | ||
| I bleib bei mein Klub, do muaß i mi net anstrengen und a Hetz gibt´s a". | ||
| Weil die Organisation anderer Klubs, wenn sie sich schon einmal zu einer Sportveranstaltung | ||
| aufraffen, mies bis morbid ist: "Die machen was" erinnert sich Bahmer, "auf einer schnellen | ||
| Strecke und hom dann net amoi an Schlauch mit, um des Bluat und die Darm | ||
| wegzuspritzen". Resumee des ClubConferenciers Bahmer über andere Clubs: "Unser | ||
| Image darf nie zurückgehen zu einer Hallodripartie, die von Cafe zu Cafe fährt. | ||
| Solltets ihr einmal so weit kommen, dann seids so gut, und gründets einen | ||
| Fußballverein für Warme". | ||
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| Homos wären eine interessante Attraktion in diesem Verein, der sich urig männlich präsentiert | ||
| und in dem das Wort Emanzipation mit einem wölfischen Grinsen zerbissen wird. Wenn man | ||
| den Club - Reden glauben darf, dann funktioniert ihr Verhältnis zu Frauen so: Es wird nicht | ||
| direkt abgeleugnet, dass es diese Dinger gibt. Aber halt sehr weit hinter dem Motorrad. | ||
| Hin und wieder freilich fallen einige Schwächlinge aus der Rolle: "I hob scho a poa erlebt", | ||
| so ein Zitat aus einer Tafelrunde, "die worn zerscht klasse Hawara. Gfoan wia da Teifl. | ||
| Und da Kotz ane aufd Goschn, wauns deppat wor. Dann homs gheirat und diese | ||
| Weh san plötzlich schmähstad wurn." | ||
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In solchen Momenten, wo man den bürgerlich gewordenen Kollegen nachtrauert, |
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| kann es vorkommen, dass selbst ein Obitrinker vom Triumphclub zu einem Bier greift, | ||
| oder zu fünfzehn. Unterschwellig sind die Frauen ein Problem für´s Clubleben. Bei den | ||
| Freitagsitzungen herrscht strengstes Weiberverbot. | ||
| Wehmütig denken manche an alte Zeiten: "Damals war der Triumph - Club das | ||
| Hollywood von Wien". Andere glauben, dass das - abgesehen eben von den | ||
| Freitagssitzungen - auch heute noch stimmt. "Es gibt nur zwei Arten von Frauen. | ||
| Solche, die Motorräder mögen, und solche, die sie nicht mögen. Dazwischen | ||
| gibt es nichts. Und wir sind der felsenfesten Überzeugung - wir sind ja nicht blind | ||
| - dass die Motorradanhängerinnen bei weitem die Schöneren sind". | ||
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| Manchmal freilich werden gnadenhalber auch Grammeln genommen - so etwa am Vorabend eines | ||
| Großraminger Rennens: Damals zogen sich vier angeheiratete Bräute, die vom schummrigen Licht | ||
| profitierten, am Wirtshaustisch aus und wurden halbwegs brüderlich verteilt. Und bei internationalen | ||
| Rennen gilt selbst unter Profis das Motto: "Die Nächte davor wurde horizontal trainiert. | ||
| Entweder es kann einer fahren oder nicht. Wenn er es kann, dann kann er es auch, | ||
| wenn er gerade von einer Dame stieg". | ||
| Während sich viele Triumphmitglieder gegen den Ruf eines Weiberhelden nur schwächlich | ||
| wehren würden, werden sie rabiat, wenn einer die Vermutung äußert, sie wären rauhe Rocker. | ||
| Wobei eine derartige Meinung durchaus denkbar ist. Denn vor langer Zeit, bevor der Club auf | ||
| eine seriöse sportliche Linie einschwenkte, kam es häufig zu rührenden Szenen. Damals, | ||
| als die Reichsbrücke noch stand, flitzten sie rudelweise drüber, nackt und im Stehen. | ||
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| Eine andere Kreativgruppe betrat beispielsweise die "Moccastub´n" am Wiener Gürtel auf zwei | ||
| Rädern. Die Fahrt ging bis zur Bartheke, in deren Spiegel sich die Fahrer gedankenverloren | ||
| kämmten, ehe sie wortlos wendeten. Einige der dortigen Angestellten laborieren noch heute | ||
| an dem Schock. Immer noch gilt Lokalverbot für den Triumph - Club. | ||
| Dass diese Zeiten vorbei sind, dafür gibt es einen unheimlich starken Beweis. Namhafte | ||
| Polizeiorgane sind Ehrenmitglieder des Clubs. Und wenn die Kradfahrer der He einen | ||
| Ausflug machen, laden sie gelegentlich die Triumphfahrer ein. Sonst niemanden. Der | ||
| heutige prächtige Status des Clubs wird überschattet durch eine deprimierende Diskussion. | ||
| Der fast schon historische Name "Triumph Club" wäre beinahe gekillt worden. | ||
| Als Opfer einer Kettenreaktion. | ||
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Obwohl die Arbeiter der englischen Triumphwerke verzweifelt versuchen, die Produktion |
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| in Eigenregie vor dem Exitus zu retten, gilt die Marke als tot. Die ehemalige | ||
| Muss-Bestimmung des Clubs, "zumindest die nächste Maschine jedes Mitglieds | ||
| muss eine Triumph sein", ist längst abgeschafft. Bahmer: "Entweder wir lösen den | ||
| Club auf vor lauter Treue zu den Scheiß - Engländern, nur weil´s z´deppat san, | ||
| Motorradln zu bauen, oder wir nehmen die Geräte, mit denen wir gewinnen können". | ||
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| Solche Geräte hätte beispielsweise Präsident Wöhrer, dessen Firma Teas mit der | ||
| Triumph - Generalvertretung nicht mehr glücklich ist und als Generalimporteur Suzukis | ||
| vor allem diese Marke fördern will. Dieser Trend fällt gerade in eine Zeit, da der Hauptsponsor | ||
| Tesa ( neben Bosch und Castrol) eine besonders wichtige Rolle spielt. Denn "Wir sitzen", | ||
| so Bahmer, "finanziell zum ersten Mal auf dem Arsch. Das Zeltweg war ein Hurenrennen, | ||
| das hat uns einegriss´n. Wir haben Stars wie den Länsivuori eingeladen, aber die | ||
| Österreicher begreifen sowas nicht. Diese Arschlöcher, die Motorradl fahren und | ||
| zdeppat san zum Antreten. Schauen sich net das Superrennen an, des ma für sie | ||
| macht. I bin sicher, a poa so Dodln hobn sie ihr Oide gschnappt und san mit ihr bodn gangen". | ||
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| Endeffekt: Weil gerade jetzt Sponsorgeld wichtig ist, stand der Name Suzuki - Club | ||
| zur Diskussion. Als dieser Vorschlag bei einer Freitagssitzung vor einem Monat im | ||
| Raum hing, quollen die Mitglieder zu einer schwarzfarbenen Masse, die drohende | ||
| Laute von sich gab. Zwei wichtige Einwände, der Name Triumph habe eine | ||
| Doppelbedeutung und es fahre keineswegs jeder mit einer Suzuki, brachte die | ||
| Entscheidung. Der Triumph - Club bleibt der Triumph - Club, mit einigen grafischen | ||
| Retuschen im Emblem. Seufzte Bahmer befriedigt: | ||
| "Es ist doch noch ein Geist in diesem Scheißhaufen". | ||
| Auch Präsident Wöhrer, der für seine Firma künftig auf jedem Club - Overall einen Extra | ||
| - Aufnäher bekommt, dürfte zufrieden sein. Er wäre sicher ungern der Totengräber der | ||
| Triumph Legende geworden. Der Sinn für Tradition, den die Mitglieder bei dieser Situation | ||
| bewiesen, ist eine Haltung, die man fast als eine der Facetten ihrer Geistesart von | ||
| Vorstadt-Adel bezeichnen könnte. Dazu zählt auch die unbedingte Loyalität zu einer | ||
| bestimmten begrenzten Kaste, eben den anderen Clubmitgliedern. Ausschließlich | ||
| deshalb kommt es auch heute noch zu gelegentlichen Kämpfen, wenn etwa ein | ||
| Clubfreund in einem Cafe beleidigt wird, weil er den Helm auf den Tisch legt. | ||
| Dann zahlt es sich aus. Die Burschen sind im Durchschnitt massiv gebaut und | ||
| haben relativ wenig Angst. Gegen das unfreiwillige Absteigen bei 180km/h ist ein | ||
| Uppercut nur ein Schmunzeln wert. "Außerdem san die meisten von uns", | ||
| doziert einer, "ziemlich ausgerastet und stehen voll im Saft". | ||
| So wie früher die englischen Gentlemen bei Turnieren in Bath selbst boxten, | ||
| während man heute boxen lässt, nehmen die Triumph-Club-Leute jedes Opfer | ||
| persönlich auf sich. Vorteile lassen sie auch anderen zukommen, wenn sie sich | ||
| zum Beispiel als sportliche Organisationshilfe ohne Bezahlung gemeinnützig betätigen. | ||
| Nachteile tragen sie allein, finanziell und gesundheitlich.m Finanziell: Clubmitglied | ||
| Franz Hierss, 28, ein hinreißender Erzähler und ausgezeichneter Fahrer, gab schon | ||
| am Anfang an, "als ich 6000 Schilling verdiente", rund 40 Prozent für das Motorrad | ||
| aus. Heute sind es immer noch mindestens 1500 Schilling im Monat. "Komisch, | ||
| wenn mans braucht, dann hat mans, für´s Motorrad immer". | ||
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| Gesundheitlich: Clubmitglied Volkmar Haberzettel, 35, einer der besten Geländefahrer | ||
| Österreichs, der von seinem 8000 Schilling Verdienst 2000 in sein Hobby steckt, | ||
| verzeichnete bisher Absplitterungen, Schwierigkeiten mit dem Knie, Gelenksschmerzen, | ||
| Prellungen, Zerrungen und eine Schulterluxation. Momentan trägt er ein Mieder. Die | ||
| rechte Hand ist an den Körper geschnallt. "Vor allem am Anfang", erinnert sich | ||
| Haberzettel, "als ich im Gelände zum trainieren anfing, bin ich mehr auf der | ||
| Goschn gelegen als oben gesessen. Ich bin zehn bis zwanzig mal abgestiegen". | ||
| Wörtlicher Dialog aus einer Freitagssitzung: "Wos is mit dein Knöchl?" "I hob seit | ||
| vierzehn Tog de Schraubn draussen, aber der Köchl is steif bliebn". "Aha, | ||
| nau wos jetzt? Muaß a no amoi brochn wern?" "Na, nur Elektroschocks". | ||
| "Manchmal", siniert Haberzettel, "fragt man sich ernsthaft, warum man nicht | ||
| Schachspieler geworden ist". Eine Antwort darauf weiß Josef Kvasnicka, 22, | ||
| mit seiner Kawa 900, eine der großen Nachwuchs- hoffnungen des Clubs: | ||
| "Weil die Rennen die einzige Gelegenheit sind, wo man noch Gas geben kann. | ||
| Und die Renntage, die vergeß ich sicher nie". | ||
| Triumph - Club: Raritätenkabinett der Unvergesslichkeiten. Da spielt es keine Rolle, | ||
| wenn in der Clubzeitschrift plötzlich ein Kreuz über einem Foto steht. Mitglieder | ||
| aus der anderen Bevölkerung kriegen sie nicht, erwarten sie nicht, und wollen sie nicht. | ||
| Denn sie wissen, was sie tun. | ||